Nachgefragt

Interview mit PD Dr. Lisa Bode

Die Betreuung von Athletinnen und die zunehmende Individualisierung im Training, insbesondere unter Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Unterschiede, haben in den letzten Jahren verstärkt an Bedeutung gewonnen. Im Interview erklärt PD Dr. Lisa Bode, warum diese Unterschiede bisher oft übersehen wurden und wie sich langsam ein Umdenken in der Sportwelt durchsetzt. 

OSINSTITUT: Lisa, es soll heute um die Betreuung von Athletinnen gehen. Die Individualisierung von Training findet auch im Mannschaftssport immer mehr Einfluss. Allerdings beschränkt sie sich häufig auf Sportart, Disziplin, Position und kümmert sich weniger um die geschlechtsspezifischen Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Hast du eine Erklärung, warum das so ist?

Lisa Bode: Danke Nils. Ein mögliche Erklärung ist, dass Sport - wie kaum ein anderer Bereich unseres Lebens - ein bis heute meist klar binär strukturierter Bereich ist, der schon ab der frühesten Kindheit streng unterteilt in männlich und weiblich. Diese Bereiche werden somit auch traditionell in der Berichterstattung oder in der Forschung separat betrachtet. Es gibt somit gerade im Frauensport ein ausgeprägtes „Gender-Data-Gap“, was z.B. frauenspezifische Leistungsparameter angeht oder auch Möglichkeiten zur Verletzungsprävention im Frauensport. 

OSINSTITUT: Mittlerweile setzt aber auch hier ein Umdenken ein. Kannst du aus deiner Erfahrung berichten, wie sich das bemerkbar macht?

Lisa Bode: Nicht zuletzt durch das gestiegene Medieninteresse stehen Athletinnen immer mehr im Mittelpunkt des Interesses. Das hilft natürlich ungemein, um auf verbesserungswürdige Bereiche hinzuweisen. Gerade Mitteilungen wie diejenige, dass die Chelsea-Trainerin Emma Hayes es möglich macht, Trainingspläne einer international erfolgreichen FA Women’s Super League - Mannschaft an den Zyklus anzupassen (aufgrund der Erfahrung, dass es nachteilig ist, dies nicht zu tun) führen zu einer erhöhten Aufmerksamkeit und zu einem Umdenken, etwas zu verändern. 


Seminarhinweis

Am 19.09.2024 war PD Dr. Lisa Bode Gastreferentin bei unserem Onlineseminar Die Athletin in Fokus


OSINSTITUT: Wenn ich eine Frauenmannschaft oder eine Athletin betreuen möchte, hast du Tipps, wie man sich optimal darauf vorbereitet – gerade auch als (männlicher) Trainer?

Lisa Bode: Im optimalen Fall sollte das Geschlecht eines Staff-Mitglieds eine untergeordnete Rolle spielen. Das gemeinsame Ziel aller Beteiligten sollte ja zum einen die Gesundheit der Sportlerin sein, gemeinsam mit einer optimalen Leistungsfähigkeit der Einzelnen sowie des gesamten Teams, um gemeinsam erfolgreich zu sein. Eine inzwischen häufig zitierte Studie von Ekstrand et al. Konnte eindeutig nachweisen, dass u.a. Verletzungsraten mit einer schlechten Kommunikation im Funktionsteam assoziiert sind. Im Frauenbereich darf somit auch der Zyklus der Frau kein Tabuthema sein. Dieser ist ein Schlüsselelement sowohl was die Leistungsfähigkeit der Spielerinnen betrifft als auch die Verletzungsanfälligkeit.

OSINSTITUT: Welchen Einfluss hat der Zyklus auf die Leistungsfähigkeit?

Lisa Bode: Das zu beantworten ist kaum in einem Kurzinterview möglich. Fakt ist, dass der Einfluss des Zyklus signifikant sein kann. Nicht zu vergessen, dass die bereits oben zitierte Trainerin eine Niederlage im FA-Cup-Finale u.a. auf eine zyklusbedingte reduzierte Leistungsfähigkeit führte - um nur ein Beispiel zu nennen. Auch andere Sportarten - insbesondere Ausdauersportarten - können deutlich durch eine „Zyklussteuerung“ profitieren. Vertiefen möchte ich dieses Thema dann gerne im Seminar. 

OSINSTITUT: Und was bedeutet das für das Training bzw. die Trainingsplanung und -steuerung?

Antwort: Grundsätzlich steht über allem erst einmal der unbedingte Wille eines jeden Beteiligten (z.B. Athletin / Trainer*innen / Physiotherapeut*innen / Athlet*innen / Ärzt*innen etc.) den Zyklus in der Trainingsplanung zu berücksichtigen. Dann finden sich insbesondere bei Indiviualsportlerinnen aber auch im Teamsport Wege, dies umzusetzen.

Die Fragen stellte Nils Borgstedt


Zur Referentin

PD Dr. Lisa Bode ist Fachärztin an der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie des Universitätsklinikums Freiburg im Breisgau. Neben der orthopädisch-unfallchirurgischen und kinderorthopädischen Tätigkeit liegt ihr Schwerpunkt in der Behandlung von Sportler*innen aus dem Profi- und Amateursportbereich. Sie ist seit 2017 Mannschaftsärztin der SC Freiburg Frauen- und Mädchenabteilung, seit 2023 verantwortlich für die männliche U-23 und das Nachwuchsleistungszentrum des SC Freiburg sowie DFB-Mannschaftsärztin. Ihre aktuellen Forschungsschwerpunkte: Prävention von Sportverletzungen, geschlechtsspezifischen Sportorthopädie sowie der kniegelenkserhaltenden Chirurgie, einschließlich Deformitätenkorrekturen und knorpelregenerativen Therapien.


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