Studie
Unspezifischer Rückenschmerz: Helfen Motor Control Übungen?

Patienten mit unspezifischem Rückenschmerz zeigen oftmals veränderte Bewegungsmuster im Bereich der Wirbelsäule. Prof. Dr. Hannu Luomajoki und Kollegen untersuchten daher, welche Auswirkungen Übungen zur Bewegungskontrolle (Movement-Controll-Exercise = MVCE) auf die klinisch relevanten Faktoren Bewegungseinschränkung sowie Schmerz bei diesen Patienten haben.

Methodik

Es wurden eine systematische Übersicht und eine Meta-Analyse durchgeführt. Die Datenbanken CINAHL, MEDLINE, PUBMED und PEDro wurden nach randomisierten, kontrollierten Studien (RCT) durchsucht, bei denen Übungen zu Bewegungskontrolle bei der Behandlung von Patienten mit unspezifischem Rückenschmerz eingesetzt wurden. Es flossen elf RCTs mit insgesamt 781 Patienten in die Untersuchung ein. Bei der Bewertung des jeweiligen Evidenzgrades orientierten sich die Autoren an den GRADE-Guidelines. Unter anderem flossen das Studiendesign, das Biasrisiko und mögliche Ungenauigkeiten – etwa aufgrund von einer zu kleinen Probandenzahl – ein.

Ergebnisse

Bewegungskontrollübungen haben auf die Bewegungseinschränkung der Patienten positiven Einfluss. Dies galt sowohl direkt nach Abschluss der Behandlung als auch 12 Monat später. Die Evidenz hierfür war in den untersuchten Studien von „sehr niedriger bis mäßiger Qualität“.

Die Schmerzintensität war direkt nach der Behandlung signifikant reduziert. Nach 12 Monaten hatte sich dieser Effekt aber wieder gelegt.

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ONLINESEMINAR am 30.11.2020

Thema: "Lumbopelvine Kontrolle - beurteilen und verbessern"

Dozenten: Matthias Keller und Prof. Dr. Hannu Luomajoki 

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Schlussfolgerungen

Ein wichtiger Faktor ist die anfängliche Identifizierung von Patienten mit einer Dysfunktion der Bewegungskontrolle (MVCI). Die Intervention mit Übungen zur Bewegungskontrolle scheint für Menschen mit unspezifischem Rückenschmerz sowohl kurz- als auch langfristig wirksamer zur Beseitigung von Bewegungskontrollstörungen zu sein als andere Interventionen. Sie scheint aber nur zur kurzfristigen Schmerzlinderung geeignet.

 

Wichtigste Inhalte in Stichpunkten

  • NSLBP Patienten sollten bezüglich der Versorgung früh in Subgruppen eingeteilt werden 
  • Dadurch können Bewegungskontrollstörungen erkannt werden und durch spezifische Übungen behandelt werden, denn ansonsten sind Übungen nicht effektiver als alternative aktive Interventionen
  • Bei passenden Subgruppen zeigen Übungen zur Bewegungskontrolle bessere Ergebnisse bzgl. Bewegungskontrolle und Schmerzlinderung

Bewegungskontrollübungen  Motorische Kontrolle LWS

  • Bewegungskontrollübungen: 
    • Bewegungskontrolle wiedererlangen
    • Bewegungsmuster korrigieren
    • Schmerzproduzierende Haltungen vermeiden
  •  Motorische Kontrolle:
    •  Übungen: isoliertes und integriertes Training der tiefen Rumpfmuskeln (z.b. Multifidii und TrA)

Literatur:

Luomajoki, H (2018): Effectiveness of movement control exercises on patients with non-specific low back pain and movement control impairments: A systematic review and meta-analysis, in: Musculoskeletal Science and Practice, Volume 36 August 2018, S.1-11.

Text: Denis Overlöper

Bild: (c)OSINSTITUT