Nachbericht | Onlineworkshop
Coper oder Noncoper – das war hier die Frage

Rund 70 Teilnehmer haben sich am Montag in Sachen Vordere Kreuzbandruptur – Coper oder Noncoper auf den neuesten Stand gebracht. Im Mittelpunkt des interaktiven Onlineseminars stand die Frage: Operation oder konservative Behandlung nach einem Kreuzbandriss?

Evidenz als Basis

Dabei bezogen die Referenten Matthias Keller vom OSINSTITUT und Frank Diemer vom FOMT zwei Ansätze in ihre Überlegungen ein: Die externe Evidenz, also Studien, Reviews beziehungsweise wissenschaftliche Beweise, und die interne Evidenz, also die therapeutische Erfahrung. Beide Ansätze liefern Erkenntnisse, die für die Umsetzung in der Praxis, die therapeutische Handlung, relevant sind. Neben der Theorie und Evidenz gab Matthias Keller zudem anhand eines Fallbeispiels einen Einblick in seine Arbeit mit einer 19-jährigen Patientin. 

... und VKB-Ruptur

Im Bezug auf Folgeschäden beziehungsweise Risikofaktoren zeigt die Studienlage, dass weder eine Operation noch eine konservative Behandlung die „bessere“ Behandlungsmethode ist. So besteht grundsätzlich eine erhöhte Prävalenz für Arthrose nach einer VKB-Ruptur – unabhängig von der Therapie. Bei Meniskusläsionen zeigt sich ein ähnliches Bild bezüglich der Häufigkeit. Aber: bei instabilen Kniegelenken scheint eine frühe OP das Risiko zu senken; bei stabilen konservativ versorgten Kniegelenken ist hingegen kein Unterschied feststellbar. Auch das Alter spielt keine Rolle, ob eine OP oder eine konservative Behandlung als Therapie eingesetzt werden sollte. Im Leistungssport ist die Datenlage extrem dünn. Dennoch zeigen diverse Studien bei Hochaktiven keinen Unterschied zwischen Operation und konservativer Behandlung.

Diskussion im Anschluss

Die vorgestellten Erkenntnisse und daraus resultierende, mögliche Handlungsempfehlungen wurden anschließend mit den Teilnehmern diskutiert. Es stellt sich heraus, dass es bei der Entscheidung für eine konservative Therapie sowohl für den Patienten als auch den Therapeuten einige Barrieren zu überwinden gilt. „Es war spannend zu sehen, welche Erfahrungen die Teilnehmer selbst schon gemacht haben. Gerade im Leistungssport wird der konservativen Therapie selten überhaupt eine Chance gegeben“, sagt Matthias Keller. „Die entstandene Diskussion zeigt, wie wichtig dieses Thema und auch konkrete Handlungsempfehlungen für die Therapeuten sind – auch um im interdisziplinären Austausch Argumente zu haben.“

Aufgrund der großen Resonanz und des tollen Feedbacks im Anschluss an das Seminar wird die Veranstaltung am 21.09.2020 wiederholt werden. Hier geht's zur Buchung!