Rückblick
13.Jahreskongress des OSINSTITUT
Am 04.07. fand in der Werner-von Linde Halle des OSP Bayern im Münchner Olympiapark der 13.Jahreskongress des OSINSTITUT statt. Das diesjährige Motto: "Sportphysiotherapie interdisziplinär gedacht".
Wie jedes Jahr lud das OSINSTITUT zum bewährten „Klassentreffen“. Rund 80 Teilnehmer:innen kamen in die Werner-von-Linde Halle des Olympiastützpunkt Bayerns, um Beiträge von nationalen und internationalen Referent:innen zu hören. Dort, wo normalerweise Spitzensportler:innen trainieren – manch einer war auch am 04.07. zu gegen – und Höchstleistungen erbracht werden, drehte sich einen Tag lang alles um aktuelle Entwicklungen und neue Impulse in der Sportphysiotherapie.
Sportphysiotherapie international
Nach einer Einführung durch OSINSTITUT-Leiter Matthias Keller, kamen renommierte internationale Expert:innen zu Wort. Dr. Mario Bizzini, stellvertretender Chefredakteur des British Journal of Sports Medicine (BJSM), bereicherte den Kongress mit einem Videobeitrag zur internationalen Perspektive auf die Sportphysiotherapie. Dabei ging er insbesondere auch auf die historische Entwicklung der Sportphysiotherpie ein. Danach stand er live aus der Schweiz für Fragen aus dem Publikum zur Verfügung.
Im Anschluss präsentierte Dr. Clare Ardern, Assistant Professor an der University of British Columbia, in einem exklusiven Video-Beitrag aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und zeigte auf, wie sich Evidenz erfolgreich in den klinischen Alltag integrieren lässt, welche Rolle KI bereits spielt und noch spielen wird. Dabei betonte sie, dass der technische Fortschritt schneller von statten gehen wird als die Evidenz nachziehen kann. Das sollte man im Hinterkopf behalten, wenn man einen Evidence based Ansatz in der Therapie fahren möchte. Außerdem gelte es bei der Behandlung immer den oder die Patient:in in den Mittelpunkt zu rücken – bei Datenerhebung, Edukation und interdisziplinärer Zusammenarbeit. Potentiale hat Ardern ausgemacht in der sportpsychologischen Ausbildung von Physiotherapeut:innen. Zwar sei es bereits gut belegt, dass psychologische Parameter die Rehabilitation beeinflussten, das Wissen vieler Sportphysiotherapeut:innen in diesem Themenfeld aber noch nicht groß genug. Hier den Anschluss zu suchen für einen interdisziplinären Austausch sieht sie als elementar.
Ausdauer, Kraft, Ernährung – Weitere Bausteine für eine erfolgreiche Reha
Nach einer Mittagspause, in der die Industriepartner des Kongresses im Rahmen einer Ausstellung ihr aktuellen Entwicklungen und Produkte präsentierten, wurde es interdisziplinär. Prof. Dr. Martin Halle, Lehrstuhlinhaber für Präventive und Rehabilitative Sportmedizin an der TU München, zeigte anschaulich auf, warum Ausdauertraining in der Rehabilitation ein elementarer Baustein sollte. Eine Phase, in der man nicht seinem Trainingsalltag folgt, böte eine optimale Gelegenheit, an der Ausdauer zu arbeiten und so Reserven aufzubauen. Davon kann man nach einer erfolgreichen Rückkehr zehren, indem man langsamer ermüdet und somit seine Leistung länger aufrechterhalten kann. Das wiederum sei gleichzeitig eine hervorragende Prävention von Re-Verletzungen.
Till Ziemssen, Trainingswissenschaftler am Olympiastützpunkt Bayern, widmete sich hingegen dem Krafttraining und wie dieses nach einer Verletzung sinnvoll aufgebaut werden kann. Dass auch die Ernährung ein entscheidender Baustein einer erfolgreichen Rehabilitation ist, verdeutlichte Tanja Freitag-Duque. Die Sporternährungsberaterin gab Einblicke in ihre Arbeit am OSP Bayern und beantwortete zahlreiche Fragen rund um Supplemente sowie das Relative Energiedefizit im Sport (RED-S).
10 Jahre RTAA®
Zum Auftakt der letzten Session stand ein weiteres Highlight auf dem Programm: Matthew Buckthorpe gab exklusive Einblicke in die Re-Konditionierung und On-Field Rehabilitation nach Kreuzbandverletzungen. Besonders wichtig: die Bewegungsqualität und der Übertrag von den „Laborbedingungen“ der Praxis in das „Chaos“ auf dem Platz.
Ein Algorithmus zur Strukturierung einer Rehabilitation, der sich mittlerweile insbesondere in der Mid Stage nach Verletzungen etabliert hat, ist der Return to Activity Algorithmus für die untere Extremität (RTAAA®) des OSINSTITUT. Vor zehn Jahren wurde er erstpubliziert. Matthias Keller und Dr. Eduard Kurz, die maßgeblich an der Entwicklung des Return to Activity Algorithmus beteiligt waren, gingen zurück zum Anfang des RTAA®, sie beleuchteten die Ideen und die Entwicklung der Testbatterie, ordneten den RTAA® wissenschaftlich ein und gaben Tipps für die Umsetzung im Praxisalltag.
Den Abschluss bildete Bernd Steinhoff, langjähriger Dozent des OSINSTITUT. Er gewährte spannende Einblicke in seine Tätigkeit als Reha-Trainer bei der TSG 1899 Hoffenheim und zeigte auf, wie der RTAA® im Profifußball erfolgreich eingesetzt wird.
Interdisziplinärer Austausch
Neben den Vorträgen bot der Jahreskongress zahlreiche Gelegenheiten zum fachlichen Austausch. In den Pausen entstanden viele interessante Gespräche, neue Kontakte und wertvolle Diskussionen bei einer Tasse Kaffee und Wraps.
Nächstes Jahr wieder
Der Jahreskongress hat auch dieses Jahr seinem Ruf alle Ehre gemacht: Er ist längst mehr als eine Fortbildungsveranstaltung – er ist ein Ort des Austauschs, des Netzwerkens und des Wiedersehens mit alten und neuen Gesichtern. Nächstes Jahr gibt’s wieder einen. Versprochen.