OS Institut - Bewegung für Orthopädie & Sportmedizin

28.09.2017 Das Kontinuum von Wundheilung und Funktion

Warum darf ein Patient nach einer Knie-OP nach sechs Wochen wieder zur Vollbelastung zurückkehren und nicht schon nach fünf Wochen und sechs Tagen? Warum darf ein Patient nach einer Schulterluxation nach drei Monaten wieder beginnen Kontaktsportarten auszuführen und nicht erst nach vier Monaten? Noch immer geben die meisten Nachbehandlungsschemata zeitliche Vorgaben für eine Belastungssteigerung und für den Zeitpunkt für die Rückkehr zu sportartspezifischen Belastungen vor.

Diese zeitlichen Vorgaben resultieren hauptsächlich aus Erfahrungswerten und Erkenntnissen, die aus dem Heilungsverlauf, der jeweils betroffenen Struktur stammen. Pathologie, Wundheilung und Schutz der betroffenen Struktur sind elementare Kriterien, wenn es um die Belastungssteuerung in der frühen Phase der Rehabilitation geht. Obererstes Ziel ist es, die verletzte oder operierte Struktur nicht zu gefährden. 

Aber Wund- und Gewebsheilungszeiten geben uns keine Aussage darüber, ob ein Patient auch tatsächlich wieder bereit ist für eine bestimmte Belastung ist. Nur weil eine Struktur wieder "geheilt" ist, bedeutet das nicht, dass der Patient auch wieder leistungsfähig ist. Deshalb ist es zwingend notwendig zwischen "gesund" und "fit" zu unterscheiden. Funktionellen Tests bieten die Möglichkeit spezifische Belastungen zu simulieren und zu analysieren, ob posttraumatische oder postoperative Defizite vorhanden sind. Diese müssen im Anschluss durch ein individuelles Trainingsprogramm behoben werden. Eine häufige Verletzungsursache sind stattgehabte Verletzungen. Aus diesem Grund muss ein Patient progressiv auf den Alltag und den Sport vorbereitet werden. Dafür ist es unumgänglich, in der Rehabilitation Reize zu setzten. Eine gute funktionelle Rehabilitation ist in der späten Phase immer eine kontrollierte Überlastung. Dabei müssen kurzfristige Reaktionen der betroffenen Struktur "in Kauf genommen" werden, denn eine konsequente Unterdosierung ist fahrlässig. Sie bereitet die Patienten nicht auf die Anforderungen vor, denen er später im Alltag und Sport "ausgesetzt" ist. 

Bei der Steuerung einer Reha steht am Anfang die Pathologie und die Wundheilung in Fokus. Am Ende einer Reha liegt der Schwerpunkt auf der Funktion. Beim Training darf nicht mehr zu erkennen sein, welche Struktur betroffen war,  weil es in dieser Phase der Rehabilitation um das Training von komplexen Bewegungsmustern geht.  

 

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