OS Institut - Bewegung für Orthopädie & Sportmedizin

14.03.2015 Flossing in der Rehabilitation


Das Flossing hält seit einiger Zeit Einzug in der Physiotherapie und Rehabilitation. Wir nutzen die Methode vermehrt bei Patienten mit postoperativen und posttraumatischen Schwellungen und Bewegungseinschränkungen. Unsere ersten Beobachtungen haben gezeigt, dass sich das Flossing positiv auf die Gelenkfunktion auswirkt. Auch wenn es zu dieser Methode noch keine Evidenz gibt, kann man sich die Wirkungsweise gut erklären. Bereits in den 90er Jahren haben wir ihm Rahmen der Manuellen Lymphdrainage Extremitäten mit Kurzzugbinden gewickelt und die Patienten mit dieser Bandage gehen oder auf dem Ergometer bewegen lassen. Der Nachteil war, dass die Binden die Beweglichkeit zu sehr behinderten oder sich bei Übungen lösten. Ein Training mit Bandagierung war somit nicht möglich. Durch die neuen Gummibänder, hat man nun die Möglichkeit, auch komplexe Bewegungen mit Kompression durchzuführen. 

Ein Gedankenmodell: Der intraartikuläre Druck wird durch das Einwickeln der Gelenke deutlich erhöht. Durch die Bewegung würde sich die Flüssigkeit normalerweise immer in dem Bereich der Kapsel bewegen, in dem gerade niedrigere Spannung herrscht. Durch das Band wird von allen Seiten gleichmäßig Druck aufgebaut. Durch diesen hohen Druck wird mehr Flüssigkeit resorbiert und Ergüsse verschwinden deutlich schneller. Weiter wird durch die Kompression ein Blutstau erzeugt. Beim Lösen des Bandes strömt das Blut schlagartig zurück in das unterversorgte Gelenk. Dies beschreiben die Patienten als eine positive Sensation und regt vermutlich den Stoffwechsel an und hat eine bessere Versorgung zur Folge. 

Eine weitere Hypothese ist der Stimulus der Mechanozeptoren durch die Kompression. Es werden die Informationen aus den Nozizeptoren, also Schmerz- und Schadensmelder, überdeckt, wodurch der Patient bei den Übungen größere Bewegungsamplituten toleriert.Klar muss sein, dass der Einsatz von Flossing an Patienten, ein Wissen der Therapeuten über Pathologie, Anatomie und Physiologie voraussetzt. Zu intensive oder zu lange Anwendungen können die Wundheilung stören und Komplikationen provozieren. Wie und wann das "Flossing" sinnvoll eingesetzt werden kann, zeigen wir in unseren Seminaren.